LIFE15 NAT/DE/000743

LIFE Projekt "Amphibienverbund"

Projektüberblick

Das LIFE-Projekt „Amphibienverbund in der StädteRegion Aachen“ ist im Januar 2017 gestartet, mit rund vier Millionen Euro ausgestattet und soll innerhalb von neun Jahren abgeschlossen werden.Die Biologische Station StädteRegion Aachen e.V. setzt das Projekt um, Projektpartner ist das Umweltministerium NRW (MKULNV NRW). Gefördert wird das projekt von der Europäischen Union und der StädteRegion Aachen.

Das Projekt hat zum Ziel, den Erhaltungszustand der in NRW und Deutschland gefährdeten Amphibienarten Gelbbauchunke (Bombina variegata), Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und Kreuzkröte (Bufo calamita) in der StädteRegion Aachen zu verbessern. Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte haben in NRW und Deutschland einen schlechten Erhaltungszustand, die Gelbbauchunke ist sogar Aussterben bedroht. Der Erhaltungszustand der Kreuzkröte ist in NRW und deutschlandweit unzureichend.

Ursache für den rapiden Rückgang aller drei Pionier-Amphibienarten ist der Verlust an geeigneten Lebensräumen. Für die Gelbbauchunke konzentrieren sich die Maßnahmen auf sieben Natura 2000-Gebieten um Stolberg und deren Vernetzung. Die Arten Kreuzkröte und Geburtshelferkröte werden über ihr Kernvorkommen hinaus auch außerhalb des Natura 2000-Netzes gestärkt. Im Einzelnen werden folgende Teilziele festgelegt:

  • Verbesserung der Lebensraumqualität, Verringerung von Beeinträchtigungen und Steigerung der Populationsgröße aktueller Vorkommen der drei Zielarten
  • Vernetzung der Vorkommen und Verbesserung der Verbindung von Natura 2000-Gebieten im Raum Stolberg und im Wurmtal
  • Reduzierung des langfristigen Pflegeaufwandes für den Erhalt der Amphibienhabitate
  • Wiederansiedlung von zwei sich selbst reproduzierenden Gelbbauchunkenpopulationen in zwei Natura 2000-Gebieten
  • Aufbau von Netzwerken mit Behörden, Kommunen, Naturschützern und anderen Flächennutzern, um sicherzustellen, dass die Zielarten in der Verwaltungspraxis besser berücksichtigt werden und Maßnahmen für die Zielarten auch über das Projekt hinaus durchgeführt werden
  • Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse und Motivation anderer Stakeholder, selbst für die Zielarten aktiv zu werden
  • Information der Öffentlichkeit zur Bedeutung der drei Zielarten und zum Netzwerk Natura 2000
  • Umweltbildung und Sensibilisierung der Bevölkerung

 

Was sind FFH-Gebiete, was ist Natura 2000?

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) - kurz FFH-Richtlinie - der Europäischen Union von 1992 hat zum Ziel, die Artenvielfalt innerhalb der Europäischen Union durch den Erhalt natürlicher Lebensräume zu schützen. Schutzgebiete, die nach der FFH-Richtlinie ausgewiesen sind, werden kurz FFH-Gebiete genannt. Sie bilden zusammen mit den nach der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesenen Gebieten das zusammenhängende europäische Schutzgebiets-Netz „Natura 2000“. Dieses Schutzgebietsnetz soll seltenen Tier- und Pflanzenarten ausreichend Lebensraum bieten, ihr Überleben sicherstellen und natürliche Lebensräume für nachfolgende Generationen erhalten.

Das EU-Finanzprogramm LIFE unterstützt Projekte und Maßnahmen zur Förderung von Natura 2000.

Folgende Maßnahmen sind geplant

Verbesserung der Lebensraumqualität, Verringerung von Beeinträchtigungen, Steigerung der Populationsgröße, Vernetzung der Gebiete und Erleichterung der Pflege der Lebensräume (Habitate)

Folgende Maßnahmen verbessern die Haibtatqualität der Wasser- und Landlebensräume und vermindern Beeinträchtigungen in den vorhandenen und neu zu begründenden Vorkommen:

  • Anlage und Sanierung dauerhafter, pflegeleichter Fortpflanzungs- und Aufenthaltsgewässer
  • Optimierung von Landhabitaten durch Entnahme von Gehölzen, Anlage von Versteckmöglichkeiten, Beseitigung von Neophyten und Weidemanagement
  • Vermeidung von Pestizideinträgen durch Initiierung extensiver Acker- und Grünlandnutzung. Dadurch können sich die Zielarten besser reproduzieren, die Überlebenschancen steigen und Populationen vergrößern sich.
  • Vernetzung von Habitaten über sogenannte Trittsteinbiotope und dadurch Möglichkeit zum Austausch zwischen den Populationen.

Die Populationen vorhandener Vorkommen können Trittsteinbiotope zwischen den Vorkommen besiedelt werden. Der Erfolg der Maßnahmen wird über ein Monitoring überprüft. Durch Anlage von Gewässern mit Wannen aus Kunstfaserbetongemisch und Gesteinsflächen mit verzögerter Selbstbegrünung wird der Pflegeaufwand von Land- und Wasserlebensräumen deutlich reduziert.

Wiederansiedlung von zwei Gelbbauchunkenpopulationen

Autochthone Gelbbauchunken werden ex-situ nachgezüchtet. Jeweils insgesamt 1.000 Kaulquappen/Juvenile werden in zwei Natura 2000-Gebieten ausgesetzt.

Aufbau von Netzwerken, Verbreitung und Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse

Über moderierte "Runde Tische" und Fachgespräche werden auf verschiedenen Ebenen (regional, national und international) Netzwerke aufgebaut bzw. gepflegt, um ein großflächiges und nachhaltiges Konzept zum Amphibienverbund auch über LIFE hinaus zu realisieren. Gewonnene Erfahrungen werden zudem über Fachveröffentlichungen, einen Praxisleitfaden sowie bei Fachtagungen verbreitet und können in anderen Gebieten zur Anwendung kommen.

Information der Öffentlichkeit

Die Öffentlichkeit wird anhand verschiedener Medien über das Projekt, die Bedeutung der Zielarten sowie über das Netzwerk Natura 2000 informiert.

Umweltbildung und Sensibilisierung

Die Zielgruppe Kinder wird über Unterrichtseinheiten und verschiedene altersgerechte Medien wie ein Gesellschaftsspiel und Modelle für den Amphibienschutz sensibilisiert. Über ein Künstlerprojekt warden neue Zielgruppen erreicht. Als Multiplikatoren werden Amphibienranger ausgebildet.

Ein LIFE Projekt der

Biologischen Station StädteRegion Aachen e.V.

und des

Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Gefördert durch das