Ein Feuersalamander im Herbst 2015 in unseren Wäldern © Dagmar Ohlhoff

Aktuell finden aufwendige Untersuchungen mit den Salamandern statt. Hier wird bei dem Tier ein Abstrich genommen. © Andreas Koch

Außerdem wird jedes Tier gemessen und fotografiert. © Andreas Koch

Akute Bedrohung für unsere Lurche

Der Chytridpilz ist in NRW angekommen

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Unsere heimischen Amphibien (auch als Lurche bezeichnet) lassen sich grob in Frosch- und Schwanzlurche einteilen. Zur ersten Gruppe gehören zum Beispiel die bekannten Arten Erdkröte und Grasfrosch oder auch die viel seltenere Gelbbauchunke. Zu den sogenannten Schwanzlurchen zählen die vier heimischen Molcharten (Berg-, Teich-, Faden- und Kammmolch) sowie der Feuersalamander. Weltweit sind die Lurche die am stärksten bedrohte Wirbeltiergruppe. Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume, diversen Umweltgiften und den Folgen des Klimawandels zählen gebietsfremde Krankheitserreger zu den wichtigsten Gefährdungsursachen für Amphibienarten.

So wurde seit 2008 in der Provinz Zuid-Limburg (Niederlande) und seit 2014 auch in den Ardennen (Belgien) ein zunächst unerklärliches Salamandersterben erheblichen Ausmaßes beobachtet. Die Wildpopulationen des Salamanders in den Niederlanden waren bereits nach wenigen Jahren nahezu erloschen. 2013 wurde ein bislang unbekannter Hautpilz als Ursache des Massensterbens der Feuersalamander erkannt und erstmalig wissenschaftlich als Art Batrachochytrium salamandrivorans (kurz als Bsal bezeichnet) an der Universität Gent (Belgien) beschrieben.

Dieser Hautpilz verursacht „Löcher“ in der Haut und offene Geschwülste und führt innerhalb von wenigen Tagen zum Tod der befallenen Salamander. Offensichtlich wurde Bsal aus Ostasien eingeschleppt. Die dort lebenden Schwanzlurcharten sind gegen diesen Erreger resistent. Aber für unsere heimischen Molch- und Salamanderpopulationen sowie für die in Terrarien gehaltenen Schwanzlurche anderer Herkünfte stellt dieser Chytridpilz eine sehr ernst zunehmende Bedrohung dar.

Wegen der geringen Entfernung der betroffenen Salamanderpopulationen von der deutschen Grenze (nordrhein-westfälische Eifel) haben die Biologischen Stationen Düren und Städteregion Aachen in enger Kooperation mit den Universitäten Braunschweig und Trier sowie in engem Kontakt mit weiteren Organisationen wie etwa dem zuständigen Landesamt in NRW (LANUV, Recklinghausen), den Universitäten Gent und Zürich bereits ab 2014 Freilanduntersuchungen begonnen. Dabei werden stichprobenartig (d. h. an ausgewählten Bachoberläufen) die Größe von Salamandervorkommen erfasst (Monitoring) sowie Hautabstriche (mit speziellen Wattestäbchen) von Salamandern genommen, um diese auf Bsal zu untersuchen (Screening). Bereits 2015 wurden dabei gegenüber dem Jahr 2014 alarmierende Individuenrückgänge an einzelnen Bächen der Eifel festgestellt. Durch die Auswertung der Hautabstriche wurde außerdem Bsal an Feuersalamandern verschiedener Bachläufe in der Eifel festgestellt. Somit ist der Erreger des Salamandersterbens seit 2015 auch in freilebenden Salamanderpopulationen Deutschlands nachgewiesen.

Der Verlauf von Infektionen in Salamanderhaltungen und die Erfahrungen in den Niederlanden und Belgien lassen befürchten, dass Bsal das Potential hat ganze Feuersalamandervorkommen auszulöschen und letztlich sogar die Art zu gefährden. Doch ist die Gefahr für die Artenvielfalt der Amphibien noch wesentlich größer. Denn experimentell konnte im Rahmen einer wissenschaftlich durchgeführten Studie der Universität Gent (Belgien) bei nahezu allen Schwanzlurcharten eine Bsal-Infektion mit tödlichem Ausgang ausgelöst werden. Somit sind neben dem Feuersalamander auch unsere in NRW heimischen Molcharten durch den neuen Erreger bedroht, darunter auch der Kammmolch, eine durch Anhang II der EU- Fauna-Flora-Habitatrichtlinie streng geschützte Art.

Wegen dieses erheblichen Bedrohungspotentials für unsere heimischen Schwanzlurche ist es dringend geboten die Ausbreitung von Bsal zu erschweren. Wer sich in Lebensräumen von Amphibien (Feuchtgebiete und Waldbäche) aufhält, sollte dringend die Hygieneregeln der Universität Trier einhalten

Wichtige Hygieneempfehlungen:

  • vor einem Wechsel zwischen zwei Gewässern immer die Stiefel/Wanderschuhe sowie Geräte (z. B. Kescher, Fallen) wechseln oder mit geeignetem Mittel (z. B. Virkon) nach gründlicher Reinigung mit Wasser desinfizieren
  • Stiefel und Geräte immer nach Gebrauch mit Wasser gründlich reinigen und anschließend gut durchtrocknen lassen
  • Neueste Erkenntnisse aus Gent (Veröffentlichung in Nature, April 2017: Stegen et al (2017): Drivers of salamander extirpation mediated by Batrachochytrium salamandrivorans):

    Bsal entwickelt auch widerstandsfähige Dauerstadien, so dass ein Durchtrocknen vermutlich nicht ausreicht. Eine sichere Maßnahme ist damit nach der gründlichen Reinigung (Bodenreste!) die Behandlung mit einem Pilzmittel wie Virkon S. Sowohl durch Bodenreste (z.B. im Profil von Schuhen) als auch durch Wasser/Feuchtigkeit (etwa an Geräten, Schuhen) kann der Pilz verbreitet werden.

Hier finden Sie aktuelle Informationen und Mitteilungen:

  1. RAVON, Schweiz: Beitrag zur Chytridiomykose www.karch.ch
  2. Pressemitteilung und weitere Infos des LANUV: www.lanuv.de
  3. WICHTIG: Infos für Halter von Schwanzlurchen: www.salamanderseiten.de

Ihr Ansprechpartner bei der Biologischen Station