Das LIFE+ Projekt "Wald-Wasser-Wildnis"

karte web nationalpark eifel

Karte des WWW Projektes

Lebensraum Fließgewässer: frei von Wanderbarrieren für Tiere © Biologische Station

Lebensraum Wald: Ein "Urwald" soll sich entwickeln © Jutta D´Orsaneo

Der steinkrebs wird in ausgewählten gewässern angesiedelt

Der Steinkrebs wird in ausgewählten Gewässern angesiedelt © Dr. Harald Groß

der schwarzspecht wird zukünftig von den maßnahmen im lebensraum wald profitieren

Der Schwarzspecht wird zukünftig von den Maßnahmen im Lebensraum Wald profitieren © Hans Glader

Das LIFE+-Projekt "Optimierung von FFH-Lebensräumen im Nationalpark Eifel", Kurztitel "Wald-Wasser-Wildnis", ist eines der drei im letzten Jahr von der EU-Kommission zur Förderung ausgewählten Naturschutz-Projekte in Nordrhein-Westfalen. Drei FFH-Gebiete des Nationalparks sollen im Zuge des Projektes durch Renaturierungen in einen möglichst naturnahen Zustand versetzt werden: Der Kermeter und die Bachtäler auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang sowie im Gebiet Dedenborn, Talaue des Püngel-Wüstebaches und Erkensruhroberlauf. Alle Projektgebiete sind Teil von Natura 2000, ein länderübergreifendes Netz von Naturschutzgebieten in der Europäischen Union. Die Projekt-Gebiete liegen nahezu vollständig im Nationalpark Eifel. So sind die Gebiete langfristig vor negativen Einflüssen geschützt und die im LIFE+-Projekt umgesetzten Maßnahmen kommen auf lange Sicht dem Artenschutz zugute.

Was sind FFH-Gebiete, was ist Natura 2000?

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) - kurz FFH-Richtlinie - der Europäischen Union von 1992 hat zum Ziel, die Artenvielfalt innerhalb der Europäischen Union durch den Erhalt natürlicher Lebensräume zu schützen. Schutzgebiete, die nach der FFH-Richtlinie ausgewiesen sind - so genannte FFH-Gebiete -, bilden zusammen mit nach der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesenen Gebieten das zusammenhängende europäische Schutzgebiets-Netz „Natura 2000“. Dieses Schutzgebietsnetz soll seltenen Tier- und Pflanzenarten ausreichend Lebensraum bieten, ihr Überleben sicherstellen und natürliche Lebensräume für nachfolgende Generationen erhalten.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Projektgebiete: die FFH-Gebiete im Nationalpark Eifel Kermeter, die Bachtäler des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang und Dedenborn mit der Talaue des Püngel-Wüstebaches und Erkensruhroberlaufes
  • Projektitel: "Optimierung von FFH-Lebensräumen im Nationalpark Eifel", Kurztitel "Wald-Wasser-Wildnis"
  • Projektnummer: LIFE09 NAT/DE/000006
  • Projektbudget: 4.174.582,00 Euro
  • Gefördert zu 50 Prozent durch das EU-Finanzierungsinstrument LIFE+ "Natur & Biodiversität" und zu 50 Prozent durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Projektlaufzeit: 01.01.2011 bis 31.12.2015

Folgende Maßnahmen sind geplant

  • Beseitigung von Wanderbarrieren in den Gewässern
  • Verringerung der Feinsedimenteinträge in die Gewässer
  • Entfernung standortfremder Nadelgehölze in den Gewässerauen und Wäldern
  • Rückbau von Wegen und baulichen Anlagen
  • Ansiedelung des Steinkrebses

Nach Ende des Projektes sollen die Gebiete möglichst große zusammenhängende, störungsfreie und naturnahe Wald- und Wasser-Lebensräume aufweisen. Der Kermeter ist geprägt von großen Laubwäldern, mäandrierende Bäche schlängeln sich durch die Täler von Vogelsang und Dedenborn. In vielen dieser von Wald, Wasser, Wildnis geprägten Lebensräume kommen Tier- und Pflanzenarten vor, die in der Eifel wie in Nordrhein-Westfalen gefährdet sind. Doch sind an einigen Stellen die Bäche durch Rohre unterbrochen und stellen für viele im Wasser lebenden Tiere eine Wanderbarriere dar. Entlang der Bäche wurde in der Vergangenheit der für den Lebensraum typische Auenwald gerodet und Nadelhölzer angepflanzt. Auch in den Buchen- und Mischwäldern wurden die heimischen Laubhölzer durch wirtschaftlich nutzbare Nadelhölzer ersetzt. Auch wenn hier und da der Nadelwald schon abgeholzt wurde, verhindert eine starke Naturverjüngung von Fichte, Douglasie und Tanne, dass heimische Laubwälder die standortfremden Nadelgehölze verdrängen. All diese vom Menschen geschaffenen Maßnahmen sollen nun wieder rückgängig gemacht werden. Um die Wälder und Bäche wieder in einen weitestgehend natürlichen Zustand zu versetzten, sind für die Projektzeit von fünf Jahren insgesamt über 240 Maßnahmen an Gewässern und über 320 Maßnahmen in Waldlebensräumen geplant. In dieser Wildnis sollen in Zukunft viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere wie Prächtiger Dünnfarn, Schwarzstorch und Groppe sowie die einst in den Bächen der Eifel lebenden Flussperlmuscheln dauerhaft einen Lebensraum finden. Um Ruhezonen zu schaffen, in denen scheue Tiere wie die Wildkatze und der Luchs Rückzugsgebiete finden, werden in den Gebieten Dedenborn und Vogelsang insgesamt 6300 Meter Wege entfernt. Bei einer Tierart helfen die Biologen aktiv nach. Der Steinkrebs lebt in den Bächen der Mittelgebirge und wurde auch an einer Stelle in der Eifel entdeckt. Im Projektgebiet soll er an geeigneten Stellen ausgesetzt werden und die Bäche dann aus eigener Kraft besiedeln. Damit die Maßnahmen auch auf ihren Erfolg überprüft werden können, finden begleitend wissenschaftliche Untersuchungen statt.

Weitere Informationen zum Projekt: