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Pressemitteilung der Biologische Station StädteRegion Aachen e.V.

„Landschaftspflege“ soll Geburtshelferkröten-Lebensräume in Würselener Naturschutzgebiet erhalten

Würselen, 12. Januar 2018. Für die Geburtshelferkröten werden ab Mitte Januar auf der „Schwarzen Halde“ im Wurmtal Gehölze entfernt. Es ist die erste Maßnahme im Rahmen eines Naturschutzprojekts, das die Biologische Station StädteRegion Aachen zusammen mit vielen Partnern zum Erhalt gefährdeter Amphibienarten in der StädteRegion Aachen durchführt.
Auf einer Fläche von ca. 4.000 m² werden am Fuß und an den Hängen der Bergehalde Gehölze entfernt. Das schwarze Bergematerial gibt der Halde ihren Namen. Da es den Pflanzenaufwuchs verzögert, ist es gut sichtbar. Durch die Gegebenheiten auf der Steinkohlehalde konnte sich hier im Flachland eine Amphibienart ansiedeln, die von Natur aus ihren Lebensraumschwerpunkt im Hügel- und Bergland hat: die Geburtshelferkröte. Weitgehend vegetationslose Flächen, lockeres Bodenmaterial, in das sie sich eingraben können und zahlreiche Kleingewässer boten den Tieren zu Beginn einen idealen Lebensraum. Da die Halde nun schon seit fast fünf Jahrzehnten brach liegt, werden die Hänge inzwischen durch Bäume beschatten. Beinahe alle Stillgewässer sind verlandet und somit verschwunden. Nur noch einige wenige Geburtshelferkröten leben derzeit auf der „Schwarzen Halde“. Dem Lebensraumverlust wird nun entgegengewirkt, indem zunächst die Gehölze samt Wurzel entfernt werden. Die Gehölzrodung soll zu Beginn des Frühjahrs abgeschlossen sein, im Anschluss werden dann Tümpel angelegt. Für den Zeitraum der Maßnahmenumsetzung müssen Barrieren, die den Zugang zu sensiblen Bereichen versperren, beiseite geräumt werden. Marco Lacks von der städtischen Forstverwaltung appelliert an alle, die das Naturschutzgebiet in ihrer Freizeit nutzen: „Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger, sich an das Wegegebot zu halten“.
Bettina Krebs von der Biologischen Station StädteRegion Aachen e.V. leitet das Projekt und sieht die Maßnahmen als Rettung in letzter Minute. Bettina Püll vom Umweltamt der Stadt Würselen schließt sich dem an: „Die „Schwarze Halde“ ist im Besitz der Stadt Würselen. Wir unterstützen diese Artenschutzmaßnahme, ohne sie würde die Art an diesem Standort sicherlich verschwinden.“ Richard Bollig, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde der StädteRegion Aachen, freut sich, dass das Projekt im ersten Jahr direkt tätig wird. „In den letzten Jahren ist die Zahl sowohl der Vorkommen wie auch die Gesamtzahl der Tiere stetig gesunken. Auch wir finanzieren neben der EU und dem Land NRW das Projekt 'LIFE-Amphibienverbund', damit uns diese kleine heimische Krötenart langfristig erhalten bleibt.“

Weite Informationen zum Projekt finden Sie unter www.life-amphibienverbund.de

Kontakt:
Bettina Krebs
Projektleitung „LIFE Amphibienverbund“
Telefon: +49 (0) 2402-1261720  Mobil: +49 (0) 157 363 99 99 5
E-Mail: bettina.krebs@bs-aachen.de

Steckbrief: Geburtshelferkröte
Verbreitung: Westeuropa
Lebensweise: Nachtaktiv, tagsüber verborgen in Verstecken oder eingegraben in den Boden
Landlebensraum: sonnenexponierte Böschungen, Geröll- und Blockschutthalden
Wasserlebensraum: nutzt Vielzahl an Gewässern, bevorzugt aber Gewässer, die nicht bis auf den Grund zufrieren, da Kaulquappen überwintern können.
Besonderheit: Die Paarung findet an Land statt. Männchen wickeln sich befruchtete Eischnüre um Hinterbeine. Kurz vor Schlupf der Larven sucht das Männchen Gewässer zur Eiablage auf.
Glockenartiger Ruf in Sommernächten
Verbreitet in West- und Südwesteuropa, erreicht in Deutschland nördliche und östliche Verbreitungsgrenze. Lebt in zwischen 200 und 1000 m ü. NN mit Ausnahme des nordrhein-westfälischen Tieflands mit wenigen Populationen.

Hintergrundinformationen:
Das Projekt „LIFE-Amphibienverbund" ist im Januar 2017 gestartet und mit rund vier Millionen Euro ausgestattet. Die Biologische Station StädteRegion Aachen e.V. setzt das Projekt um, Projektpartner ist das Umweltministerium NRW (MULNV NRW). Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union durch das Förderprogramm LIFE, dem MULNV NRW und der StädteRegion Aachen. Innerhalb von neun Jahren sollen verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden, die den Erhaltungszustand der in NRW und Deutschland gefährdeten Amphibienarten Gelbbauchunke (Bombina variegata), Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und Kreuzkröte (Bufo calamita) verbessern.