Betreuungsgebiete

Die Biologische Station in der StädteRegion Aachen betreut (siehe Aufgaben: Fachliche und praktische Gebietsbetreuung) derzeit um die 20 Gebiete im Aachener Land. Hierbei handelt es sich meist um ausgewiesene, sichergestellte oder geplante Naturschutz- sowie Landschaftsschutzgebiete.
Viele dieser Gebiete werden langfristig von der Station begleitet (Betreuungsgebiete). Zum Teil arbeitet die Biologische Station aber auch nur für einen gewissen Projektzeitraum in den Gebieten (Projektgebiete).

NSG Paustenbacher Venn

glockenheide paustenbach

Glockenheide

Das Paustenbacher Venn befindet sich im äußersten Nordwesten des Monschauer Heckenlandes zwischen den Ortschaften Lammersdorf-Paustenbach im Norden und Konzen im Süden. Das Gebiet liegt innerhalb des Naturraumes „Hohes Venn“ in der östlichen Vennabdachung. Die Höhenlage beträgt rund 550 m ü. NN. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 49 Hektar. Bedingt durch die geologischen und klimatischen Faktoren war die Entstehung von Mooren in diesem Gebiet begünstigt.

Von besonderer floristischer und vegetationskundlicher Bedeutung ist ein schmaler Streifen zwischen der Vennbahntrasse und einem parallel laufenden Feldweg. Nur hier sind Relikte der ursprünglichen Vennvegetation erhalten. Der überwiegende Teil des Gebietes wurde in den dreißiger Jahren systematisch drainiert und ist heute Weideland.

Seltene und charakteristische Lebensraumtypen des Paustenbacher Venns sind feuchte Zwergstrauchheiden und kleine Heidevermoorungen mit Torfmoosen (Sphagnum), der Glockenheide (Erica tetralix) und der Moorlilie (Narthecium ossifragum). Durch die Intensivierung der Landwirtschaft im 20igsten Jahrhundert, insbesondere durch Entwässerung und Düngung, sind Moorheiden heute bundesweit stark gefährdet.

Bereits Anfang der 90er Jahre wurden auf der Grundlage eines Biotopmanagementplanes erste Renaturierungsmaßnahmen in Form von Wiedervernässungen und Entkusselungen (Entfernung zu starken Gehölzaufwuchses) auf einer Fläche von zwei Hektar durchgeführt. Auf einem kleinen Areal wurde der Oberboden vollständig entfernt. Hier hat sich eine montane Heide mit reichlich Behaartem und Englischem Ginster etabliert.

Weitere umfangreiche Vernässungen wurden im Rahmen des Interreg III-Projektes „Heiden-Moore“und im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme der Gemeinde Simmerath auf 10 Hektar in den Jahren 2006 bis 2008 durchgeführt.

Im Gebiet finden sich mit Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia) auch Arten, die hauptsächlich in Hoch- bzw. Übergangsmooren vorkommen. Neben weiteren seltenen Blütenpflanzen der Moore und Heiden konnten allein 23 Moosarten der Roten Liste nachgewiesen werden, von denen 4 in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedroht sind. Infolge der Renaturierungsmaßnahmen haben sich gefährdete Pflanzenarten insgesamt deutlich ausgebreitet.

Von der erfolgten Wiedervernässung und dem Entstehen mehrerer Moortümpel haben neben Flora und Vegetation auch die Libellen profitiert. Als typische und gefährdete Arten der Moore kommen die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) und die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) vor.

Das Gebiet wird durch die Biologische Station betreut. Bei zu starkem Gehölzaufwuchs werden beispielsweise weiterhin Entbuschungen durchgeführt und Teile des Gebietes werden von Schafen und Ziegen beweidet.

Das Paustenbacher Venn wird von der deutsch-belgischen „Moor-Route“ durchquert. Sie ist mit deutschen und belgischen Partnern im Rahmen des Interreg III-Projektes „Heiden-Moore“ entwickelt worden. Der 2006 ausgezeichnete Rad- und Wanderweg informiert den naturinteressierten Besucher über die Eigenart der Moorlebensräume, die speziell angepasste Fauna und Flora, die Schutzbemühungen und die historische Nutzung. Im Naturschutzgebiet Paustenbacher Venn findet sich unter dem Titel „Gut getarnt ist halb gewonnen“ eine Infotafel zum Thema Tarnung der Tierwelt in Moor und Heide.

Die Wiedervernässung des Paustenbacher Venns machte einen 100 Meter langen Holzsteg mit zwei Brücken erforderlich. In Zusammenarbeit mit dem Eifelverein und mit finanzieller Unterstützung des Kreises Aachen wurde die Maßnahmen 2008 und 2009 von der Biologischen Station im Aachener Land umgesetzt.