Betreuungsgebiete

Die Biologische Station in der StädteRegion Aachen betreut (siehe Aufgaben: Fachliche und praktische Gebietsbetreuung) derzeit um die 20 Gebiete im Aachener Land. Hierbei handelt es sich meist um ausgewiesene, sichergestellte oder geplante Naturschutz- sowie Landschaftsschutzgebiete.
Viele dieser Gebiete werden langfristig von der Station begleitet (Betreuungsgebiete). Zum Teil arbeitet die Biologische Station aber auch nur für einen gewissen Projektzeitraum in den Gebieten (Projektgebiete).

Das Naturschutzgebiet Schlangenberg

naturschutzgebiet betreuungsgebiet schlangenberg
das gelbe galmeiveilchen (viola lutea ssp. calaminaria) kommt weltweit nur im galmeierzmetallzug im raum aachen bis ostbelgien vor.

Das Gelbe Galmei-Veilchen (Viola calaminaria) kommt weltweit nur im Galmeierzzug im Raum Aachen bis Ostbelgien vor.

schlangenberg halden
schwermetallrasen mit gelbem galmeiveilchen schlangenberg viola calaminaria

Schwermetallrasen mit Gelbem Galmei-Veilchen

 

Das NSG Schlangenberg (108 ha) befindet sich östlich von Stolberg-Breinig und wird durch großflächige Schwermetallrasen (Galmeifluren) geprägt. Es zählt zu Europas bekanntesten Vorkommen der seltenen Schwermetallvegetation und wurde deswegen als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet DE-5203-308 Schlangenberg) ausgewiesen. Darüber hinaus existieren großflächige Rotbuchen-Bestände sowie Nadelholzforste.

Die Böden der offenen Standorte weisen einen extrem hohen Gehalt einzelner Schwermetalle, hier insbesondere Zink, auf. Verschiedene Pflanzenarten haben sich an diese Verhältnisse angepasst.  Die bekannteste Art ist das in der Aachener Region endemische (nur in einem eng begrenzten Gebiet vorkommende) Gelbe Galmei-Veilchen (Viola calaminaria). Die Schwermetallpflanzen sind aus ökologischen Gründen auf diese Standorte angewiesen, ein Vorkommen auf unbelasteten Böden scheidet konkurrenzbedingt aus.

Durch den Jahrhunderte langen Bergbau haben sich Pingen (Schürflöcher) und Halden gebildet, das Gelände ist kleinflächig stark reliefiert. Seit der Keltenzeit bis ca. zum Ende des 19. Jh. wurde Galmeierz gewonnen. Andere Nutzungsformen waren Kalksteinabbau, Holzgewinnung und GrünlandBewirtschaftung. Bis 1985 wurden Teile des heutigen NSG´s als Truppenübungsplatz genutzt.

 

Insbesondere auf den trockenen, offenen bis halboffenen Standorten existieren zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten. Hierzu zählen die Heidelerche (Lullula arborea) und der Neuntöter (Lanius collurio) wie auch die Schlingnatter (Coronella austriaca) und viele gefährdete Insektenarten. In Fahrzeugspuren militärischer Fahrzeuge bildeten sich temporäre Kleingewässer, in denen sich zahlreiche Amphibien (z.B. Gelbbauchunke, Bombina variegata) und andere wasserabhängige Arten ansiedeln konnten. Aufgrund der nach dem Abzug des Militärs unterbliebenen Verdichtung der Gewässerböden sind jedoch viele Gewässer und auch die Unke mittlerweile wieder verschwunden. Über 400 Farn- und Blütenpflanzen konnten bislang nachgewiesen werden, darunter viele Metallophyten, also an hohe Schwermetallkonzentrationen angepasste Pflanzen.

Die Erhaltung dieser für Deutschland und Europa bedeutenden artenreichen Schwermetallrasen und -heiden, Buchenwälder sowie die Entwicklung der übrigen Lebensräume als Pufferzonen steht im Vordergrund. Konkrete Maßnahmen wurden in einem Pflege- und Entwicklungsplan (Biologische Station, 2002) entwickelt. Wichtige Einzelmaßnahmen sind das Offenhalten der Magerrasen und Heiden von Gehölzen, das Zurückdrängen der vorhandenen Kiefernbestände sowie die schrittweise Umwandlung von Nadelbeständen in Laubwald. 2011 wurden auf den Galmeiböden ca. 6000 Altkiefern gefällt. Jährlich findet auf weniger stark erzhaltigen Böden eine Beweidung durch ca. 700 Schafe und 150 Ziegen statt.