Der Steinkauz

Suchbild: Wer findet den Steinkauz?

lebensraum streuobstwiese

Lebensraum Streuobstwiese

steinkauz auf sitzwarte

Steinkauz auf Sitzwarte

Mit ungefähr 5.000 Brutpaaren leben ca. 60 % des deutschen Steinkauzbestandes in Nordrhein-Westfalen. Während der Steinkauz in der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten non NRW „nur“ als gefährdet eingestuft wird, gilt er in der aktuellen Roten Liste von Deutschland insgesamt als stark gefährdet. Die Niederrheinische Bucht ist der Verbreitungsschwerpunkt des Steinkauzes in Deutschland. Die StädteRegion Aachen wird hingegen nur bis zu einer südlichen Grenze (Venwegen - Breinig - Mausbach) besiedelt. Die Höhenlagen werden aus klimatischen Gründen, z.B. in einzelnen Jahren wochenlange Schneebedeckung, gemieden.

Der Steinkauz besiedelt in der StädteRegion vorwiegend alte Streuobstbestände sowie Weiden mit Kopfbäumen oder anderen älteren Bäumen (z.B. Eichen) . Hier findet er sowohl ausreichend Nahrung als auch geeignete Bruthöhlen. Als Brutplatz werden neben natürlichen Baumhöhlen auch entsprechende Brutmöglichkeiten in künstlichen Nisthilfen angenommen. Diese spielen für den Erhalt des Steinkauzes in der StädteRegion inzwischen eine sehr große Rolle.

Hauptursache für einen vergleichsweise kontinuierlichen Rückgang der Brutpaare in NRW und lange Zeit auch in der StädteRegion Aachen ist die parallel verlaufende Zerstörung des Lebensraumes: Flurbereinigung, Abholzung alter Streuobstbestände und Kopfbäume oder die Vernichtung ortsnaher Weideflächen durch Neubausiedlungen. In den letzten Jahren wird auch in der StädteRegion immer mehr das Verschwinden der traditionellen Weidenutzung für den Steinkauz zum Problem. Auf den nur noch (bestenfalls) gemähten Flächen kann der Steinkauz insbesondere zur Brutzeit aufgrund der Wuchshöhe des Grünlandes nicht mehr genug Beute machen. Der Steinkauz kann somit als guter Indikator einer naturnahen dörflichen Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen gelten. Intensive und Erfolg versprechende Bemühungen durch Neuanlage von, insbesondere beweideten, Obstwiesen werden sich für den Steinkauz erst nach und nach positiv auswirken.

Ein wesentlicher Verbreitungsschwerpunkt des Steinkauzes in der Städteregion befindet sich mit 20 Revieren im östlichen Münsterländchen bei den „Stolberger“ Ortschaften Breinig, Dorff, Büsbach und Venwegen. Das leicht hügelige Gebiet ist durch teilweise noch reich strukturierte Dauerweiden geprägt. Stellenweise findet aber auch hier ein Verschwinden des Weideviehs von den Flächen statt. Das Grünland wird nur noch gemäht und das Mahdgut an das im Stall stehende Vieh verfüttert. Durch das Ausbringen neuer Nisthilfen und ihre Betreuung konnte hier der Steinkauzbestand innerhalb von nur zwei Jahren (Zeitraum 2017-2019) verdoppelt werden. Weiter nördlich weisen mit vier Revieren die Ortschaften Bettendorf, Floverich und Weiden noch gute Bestände auf. In Broichweiden wurden dieses Jahr sogar fünf Reviere festgestellt. In anderen Ortschaften finden sich meist nur einzelne Reviere.

In zweijährigem Abstand erfolgt seit 2003 durch zahlreiche Ehrenamtler eine von der Biologischen Station koordinierte flächendeckende Erfassung der Steinkauzreviere in der StädteRegion Aachen. Diese belegt aktuell einen, insbesondere bedingt durch die intensiven Schutzbemühungen seit 2017, deutlichen Bestandsanstieg. Im Jahr 2019 konnten mit 68 festgestellten Revieren mehr Steinkauzreviere dokumentiert werden als im Vergleichsjahr 2000 mit 62 Revieren. Der Anstieg um 21 Reviere innerhalb von zwei Jahren bedeutet eine Zunahme um 44,7 %. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lebensraumbedingungen für den Steinkauz auch weiterhin verschlechtern. Der Bestandsanstieg ist allein auf das Ausbringen von Nisthilfen, ihre Reinigung und Wartung und begünstigt durch milde Winter zurückzuführen.

Ein ausführlicherer Bericht zur Erfassung und zum Schutz des Steinkauzes stellt die Ergebnisse aus dem Jahr 2019 dar.

Steckbrief des Steinkauzes

© Doris Siehoff

lat. Name: Athene noctua

Kennzeichen und Verhalten: Der Steinkauz ist im Rheinland unsere kleinste Eulenart. Grundfarbe braun, hell gesprenkelt. Augen gelb. Ruf: ein helles durchdringendes „kwiu“. Vorwiegend dämmerungs- aber z.T. auch tagaktiv. Ansitzjäger. Reviergröße 10 - 40 ha.

Nahrung: Als Nahrung bevorzugt der Steinkauz Kleinsäuger, insbesondere Mäuse, die von einer „Ansitzwarte“ erbeutet werden. Er jagt aber auch Kleinvögel, Insekten und sogar Regenwürmer.

Natürliche Feinde: Hierzu zählen vor allem Habicht, Waldkauz und Steinmarder. Natürliche Verluste durch Prädatoren oder strenge, schneereiche Winter werden von einer stabilen Population allerdings schnell ausgeglichen.

Fortpflanzung: Legezeit Mitte April bis Mitte Mai, 1 Jahresbrut, meistens 3-5 weiße Eier. Das Weibchen brütet etwa 25-30 Tage allein und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Junge verlassen die Höhle mit etwa 35 Tagen.

Bestand: Im Frühjahr 2003 konnten durch eine flächendeckende Kartierung durch 31 ehrenamtliche Kartiererinnen und Kartierer (hauptsächlich Mitglieder des NABU Aachen Land, des NABU Stadtverbandes Aachen sowie der BUND Ortsgruppe Eschweiler) im gesamten Stadt- und Kreisgebiet von Aachen mindestens 79 Reviere nachgewiesen werden. 67 Reviere lagen hierbei im Bereich von Streuobstwiesen.

Schutzmaßnahmen: Entsprechend den Gefährdungsursachen muss der Schwerpunkt aller Schutzbemühungen auf dem Erhalt und der Neuschaffung geeigneter Lebensräume liegen. In der Aachener Region gilt es insbesondere, reich strukturierte Grünlandflächen (inkl. Kopfbäume, Hecken, alter Streuobstbestände) zu sichern. Darüber hinaus müssen solche Strukturen wieder neu geschaffen werden. Da in den sechziger bis achtziger Jahren fast keine hochstämmigen Obstbäume gepflanzt wurden, ist das Anbringen künstlicher Brutröhren oftmals notwendig.

Gefährdung und Schutz: deutschlandweit stark gefährdet (Rote Liste 2), in ganz NRW sowie in der Teilregion Eifel gefährdet (Rote Liste 3)